Die 4+2-Formel für den Unternehmenserfolg

Welche Managementmethoden funktionieren wirklich ?

Nitin Nohria, William Joyce & Bruce Roberson

Um die Frage zu klären, welche Managementmethoden denn nun wirklich funktionieren, untersuchten Nitin Nohria, William Joyce und Bruce Roberson in einer umfangreichen, mehrjährigen Studie über 200 Managementmethoden, die 160 Unternehmen (auch das Evergreen-Projekt genannt) über einen Zeitraum von fünf Jahren angewandt hatten. Die Resultate zeigten, dass die erfolgreichsten Firmen einer Branche sich ausnahmslos in den 4 „primären Managementdisziplinen“ Strategie, Ausführung, Unternehmenskultur und Struktur auszeichneten. Sie ergänzten ihre Qualitäten in diesen Bereichen durch hervorragende Fähigkeiten in jeweils 2 der vier „sekundären Managementdisziplinen“: Talente, Innovation, Führung sowie Fusionen und Partnerschaften. Folglich bezeichneten die Autoren der Studie die erfolgversprechendste Kombination von Managementdisziplinen als 4+2-Formel für den Unternehmenserfolg: „Wenn ein Management diese Formel konsequent beherzigt, wird es mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 90 Prozent überdurchschnittlich erfolgreich sein“, so die Autoren.

Das Evergreen-Projekt

Die 160 Unternehmen wurden in 40 Gruppen je vier Unternehmen einer genau definierten Branche eingeteilt. Zu Beginn des Studienzeitraums waren die finanziellen Bedingungen für alle Firmen einer Gruppe weitgehend gleich.
Am Ende des Untersuchungszeitraums konnten innerhalb einer Gruppe Gewinner, Verlierer, Aufsteiger und Absteiger festgestellt werden:
Gewinner erzielten im untersuchten Zeitraum kontinuierlich bessere Ergebnisse (Umsätze) als die anderen Gruppenmitglieder.
Verlierer erzielten anhaltend schlechte Resultate.
Aufsteiger verbesserten sich nach einem zunächst schlechten Start deutlich, sobald sie die 4+2-Formel begannen anzuwenden.
Absteiger lagen zu Beginn der Studie gut im Rennen und hinkten am Ende hinterher.
Mit erstaunlicher Regelmäßigkeit hing die finanzielle Entwicklung davon ab, wie erfolgreich das Management die 4+2-Formel umgesetzt hatte.
Die erfolgreiche Umsetzung der 4 primären und 2 sekundären Managementdisziplinen der 4+2-Formel lässt sich, außer durch die Anwendung bestimmter Methoden und Instrumente, anhand spezifischer Kennzeichen darstellen, die bei den erfolgreichen Unternehmen der Studie über die Jahre hinweg beobachtet werden konnten:

Strategie

Die Unternehmen haben eine klar formulierte, fokussierte Strategie, die konsequent beibehalten und durchgehalten wird. Die Mitarbeiter, Kunden, Partner und Anleger können verstehen, wie diese Strategie funktioniert.

Ausführung

Die Abläufe im Unternehmen funktionieren so reibungslos wie möglich. Die Produktivität wird doppelt so schnell gesteigert wie die des Durchschnitts der Branche.
Die Produkt- bzw. Servicequalität ist durchschnittlich, so dass die Erwartungen der Kunden erfüllt, aber nicht übertroffen werden (überdurchschnittliche Leistungen honorieren die Kunden nicht, es sei denn, Perfektion ist ausdrücklich ein Bestandteil der Strategie).

Unternehmenskultur

Die Kultur ist leistungsorientiert. Die Mitarbeiter und Manager entscheiden selbstständig. Erfolge werden finanziell (externale Motivation) und mit Anerkennung (internale Motivation) belohnt.

Struktur

Die Organisationen sind schnell, flexibel und haben flache Hierarchien. Die Zusammenarbeit und der Informationsaustausch werden im gesamten Unternehmen gefördert. (Es gibt keine überlegende Organisationsstruktur. Es kommt allein darauf an, dass sie die Arbeit vereinfacht.)

Talente

Die Unternehmen binden talentierte Mitarbeiter an sich und besetzen mittlere und höhere Positionen möglichst intern. Sie bieten den entsprechenden Mitarbeitern Fort- und Weiterbildungen an, die auf neue Aufgaben im Unternehmen vorbereiten.

Innovation

Die Unternehmen setzen auf bahnbrechende innovative Produkte und Dienstleistungen. Sie zögern nicht, vorhandene Produkte zu opfern.

Führung

Der Manager fühlt sich dem Unternehmen und den Mitarbeitern verpflichtet. Er hat die Fähigkeit, Beziehungen zu Mitarbeitern auf allen Hierarchieebenen aufzubauen und die übrigen Mitglieder des Managementteams zu motivieren, genauso zu handeln. Chancen und Probleme erkennt er früh; früher als die Konkurrenz.

Fusionen und Partnerschaften

Wachstum streben die Unternehmen durch Fusionen und Partnerschaften an. Sie kaufen Firmen, um Kundenbeziehungen zu nutzen und Kernkompetenzen zu ergänzen.
(Partnerschaften bieten einige der gleichen Vorteile wie Übernahmen; sie ersparen aber viele der Nachteile.)

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