Von “Postponabels” und “Nice to Have”- Produkten
Wie bereits angesprochen, verändern sich die Marktpositionen gerade in Krisenzeiten. Man muss aber auch sehen, dass die einzelnen Unternehmen und Branchen in Zeiten der Rezession und Krise unterschiedlich betroffen sind. Produkte und Dienstleistungen die unbedingt benötigt werden verzeichnen anscheinend weniger Einbrüche als Produkte und Dienstleistungen auf die man verzichten kann. Diese Produkte nennt Herrman Simon “Postponables” oder “Nice to have” -Produkte. Am stärksten betroffen so Simon, ist das “Essen ausser Haus”. Dagegen ist das “Essen zuhause” enorm gewachsen.
Einen Zuwachs verzeichnet auch die Investition in Bildung. Junge Menschen dehnen ihre Ausbildung aus und widmen sich Aufbaustudiengängen und Fortbildungen. Auch Finanzdienstleistungen scheinen aufgrund eines erhöhten Sicherheitsbedürfnisses zuzunehmen soweit es die Kaufkraft des Einzelnen zulässt.
Verbrauchsgüter die wir täglich benötigen, also Getränke und Lebensmittel werden unterdurchschnittlich tangiert. Auch pharmazeutische Produkte trotzen der Krise.
Die Krise hat also die “Postponables” erwischt.
Dazu zählt man Haushaltsgeräte, Autos, Konsumelektronik sowie Computer und Möbel. Konsumenten gehen hier in Warteposition und verschieben Investitionen und Einkäufe auf eine späteren Zeitpunkt. Zu beachten ist, dass es auch bei den Industriegütern “Postponables” gibt. Reparaturen und Ersatzteile werden immer benötigt – dagegen kann eine Neunvestition in eine Maschine verschoben werden.
Gesundheitsbranche leidet
Auch Gesundheits- und Pharmaindustrie spüren die Krise. Die zunehmende Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit sowie Lohnkürzungen reduzieren auch die Beitragseinnahmen der Krankenkassen. Auch Krankenhäuser und Ärzte verschieben ihre Investitionen. Sogar von Patientenseite steigt der Druck auf die Hersteller.
Medienlandschaft als Verlierer – Online gewinnt
Am stärkste scheint des die Medienlandschaft erwischt zu haben. Klassische Medien wie TV und Zeitungen haben schon vor der Krise massive Einbrüche und ein Verändertes Medienverhalten hinnehmen müssen. Die Zunahme der Digitalisierung, des Internet und der Macht von Google scheinen die klassischen Medien nichts mehr entgegensetzten zu können. Auch die Werbeausgaben gehören für viele Unternehmen zu den “Postponables” und so suchen viele Unternehmen Alternativen zu der Klassischen Werbung. Onlinemarketing und Dialogmarketing scheinen aufgrund ihrer Messbarkeit zu den Gewinnern zu zählen.
Billig- und Discountprodukte
scheinen ebenfalls gut durch die Krisenzeiten zu kommen. Käufer weichen auf billige Produkte aus. Wer von den Discountern den in diesem Segment stattfindenden Preiskriegen trotzen kann wird abzuwarten sein.
Zukunftsangst verändert das Verhalten
Die Zukunftsangst hat das Verhalten der Unternehmen und Verbraucher massiv verändert. Wie Unternehmen jetzt darauf reagieren sollen ist schwer zu beurteilen. Mit Blick auf die 4P’s (Product, Price, Promotion, Place) scheint die Steuerung über den Price angebracht, aber auch dies ist extrem mit Vorsicht zu genießen, denn fast kein Unternehmen ist in der Lage, den Kaufwiderstand durch extremen Preissenkungen lange auszuhalten und das wäre letzlich schlimmer als die eingetretenen, massiven Absatzeinbrüche. Man sollte sich daher eher auf Kostenvorteile und Nutzenvorteile konzentrieren. Dazu mehr im nächsten Teil dieser kleinen Serie.
