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Strategy Safari – Die kognitive Schule
Quelle: Strategy Safari: A Guided Tour Through The Wilds of Strategic Mangament: von Henry Mintzberg
Strategiebildung als mentaler Prozess
Die kognitive Schule hat sich zum Ziel gemacht, dem auf die Spur zu kommen, was der Strategieentwicklungsprozess im Bereich des menschlichen Denkens bedeutet. Zu diesem Zweck nimmt diese Schule vor allem Anleihen bei der kognitiven Psychologie. Strategen sind weitgehend Autodidakten: Sie entwickeln ihre Wissensstrukturen und Denkprozesse hauptsächlich anhand ihrer persönlichen Erfahrungen. Die unmittelbare, eigene Erfahrung formt ihr Wissen, das wiederum ihre Handlungsweise und die damit einhergehende Erfahrungen beeinflusst. Diese Dualität spielt in der kognitiven Schule eine zentrale Rolle und hat zur Entstehung zweier recht unterschiedlicher Flügel geführt, zwischen denen versucht wird, Brücken zu bauen:
- Der positivistisch ausgerichtete Flügel behandelt die Verarbeitung und Strukturierung von Wissen als Versuch, sich sozusagen ein objektives Bild von der Welt zu schaffen.
- Der andere Flügel betrachtet alle diese Dinge subjektiv: Hier ist die Strategie eine Art Interpretation der Welt.
FLÜGEL A
Kognition und Strategie – Grundgedanken/Prämissen der kognitiven Schule
Die kognitive Schule ist bestenfalls eine in Entwicklung befindliche Denkschule im Bereich der Strategiebildung.
- Strategiebildung ist ein kognitiver Prozess, der im Geist der Strategen stattfindet.
- Strategien bilden sich daher als Sichtweisen heraus – in der Form von Konzepten, Karten, Schemata und Rahmen -, welche die Art und Weise formen, wie die Menschen mit den Informationen aus ihrer Umwelt umgehen.
- Dieser Input oder diese Informationen fließen (laut dem „objektiven“ Flügel dieser Schule) durch alle möglichen verzerrenden Filter, bevor sie durch die kognitiven Karten decodiert werden, oder stellen (laut dem „subjektiven“ Flügel) lediglich eine Interpretation einer Welt dar, die nur als Wahrnehmung existiert. Die betrachtete Welt kann also modelliert, in einem Rahmen gestellt und konstruiert werden.
- Als Konzepte lassen sich Strategien von vorneherein schwer erreichen, sie sind bei ihrer tatsächlichen Verwirklichung keineswegs optimal, und sie sind schwer zu verändern, wenn sie keine Gültigkeit mehr haben.
Denkprozesse als Konfusion
Herbert Simon (wurde 1978 mit dem Nobelpreis für Volkswirtschaft ausgezeichnet) machte die Auffassung populär, dass die Welt groß und komplex, das menschliche Gehirn und seine Fähigkeit zur Informationsverarbeitung jedoch vergleichsweise beschränkt seien. Entscheidungen stellten daher weniger einen rationalen Vorgang als einen vergeblichen Versuch dar, rational zu handeln.
Voreingenommenheit in der Entscheidungsfindung (Makridakis, 1990)
Um eine Entscheidung zu treffen, sucht man nach möglichst vielen Informationen. Ein Mehr an Informationen stärkt aber lediglich unsere Überzeugungen, dass wir recht haben, ohne dass unsere Entscheidungen notwendigerweise richtiger werden:
- z.B. die Suche nach Beweisen, um bereits bestehende Überzeugungen zu stützen, statt sie zu Fall zu bringen
- z.B. die Bevorzugung der leichter im Gedächtnis zu behaltenden neueren Informationen im Vergleich zur älteren
- z.B. die Neigung, einen kausalen Zusammenhang zwischen zwei Variablen zu sehen, die vielleicht einfach nur zeitlich korrelieren
- z.B. die Kraft des Wunschdenkens usw.
Es gibt eine Fülle von Berichten über Organisationen, die in einem bestimmten Handlungsschema festgefahren sind, das auf ihrer Sichtweise der Dinge beruht, und daher in eine Abwärtsspirale geraten, wenn sich die Welt um sie herum ändert.
Eine Strategie deutlich herauszuarbeiten kann zu psychologischem Widerstand gegen eine Veränderung dieser Strategie führen (das Tun kann auch das Sehen beeinflussen).
Vier Paare gegensätzlicher Strategieentwicklungsstile (differentielle Psychologie)
Wenn man diese acht Möglichkeiten kombiniert, ergeben sich 16 verschiedene Typen oder Stile:
- Extrovertiertheit vs. Introvertiertheit
(Energetisierung durch Außenwelt vs. durch eigene Gedanken- u. Vorstellungswelt)
- Sinneswahrnehmung vs. Gespür
(Informationen durch Sinne aufgenommen vs. Informationen als Ergebnis des Versuchs, wesentliche Muster zu erfassen)
- Denken vs. Fühlen
(Entscheidungen gründen auf Analysen vs. gründen auf Gefühlen)
- Urteil vs. Wahrnehmung
(geplantes, geordnetes, kontrolliertes Leben vs. flexibles, spontanes Leben)
Kognitive Prozesse als Informationsverarbeitung
In ihrem Modell der „parallelen“ Informationsverarbeitung argumentieren Corner, Kinicki und Keats (1994), dass Einzelpersonen und Organisationen nach im wesentlichen identischen Prinzipien arbeiten:
Die Informationsverarbeitung beginnt mit Aufmerksamkeit, setzt sich mit Codierung fort, tritt in das Stadium der Speicherung und des Abrufens ein, kulminiert in der Entscheidung und wird durch die Beurteilung des Ergebnisses abgeschlossen.
Kognitive Prozesse als Mapping
Eine wesentliche Vorbedingung für den strategischen Denkprozess ist die Existenz geistiger Strukturen, um das Wissen zu organisieren (veranschaulicht durch Bezeichnungen wie Landkarte bzw. „map“). Karl Weick (1990): „Die Karte nimmt ihre Wahrnehmung bildlich vorweg, und sie sehen, was sie zu sehen erwarten.“Geistliche Karten kann man auch als Schemata bezeichnen. Sie helfen uns dabei, die Unmengen an Informationen in verschiedenen Ebenen darzustellen, so dass wir sie besser speichern können. Entscheidungsträger verbinden mit einem bestimmten Schema, das ja im Geiste bereits vorhanden ist, gewisse Erwartungen. Was sie sehen, bereichert diese Erwartungen um neue Details und führt zu neuen Fragen. Fakten, die nicht ins Schema passen, werden aber ignoriert.
Kognitive Prozesse als Konzepterlangung
Eine Strategie ist ein Konzept; die Strategiebildung ist die „Konzepterlangung“. Die wirklich interessanten mentalen Prozesse, die mit der Entwicklung der Strategie einhergehen – visuelle Wahrnehmung, parallele Verarbeitung von Daten, Synthese, die sogenannte Intuition -, können tief in unserem Unterbewusstsein vergraben sein.Herbert Simon: „Intuition und Urteil – zumindest das gute Urteil – sind nichts anderes als zu Gewohnheiten verfestigte Analysen, die die Möglichkeit einer raschen Reaktion durch Wiedererkennung bietet.“
FLÜGEL B
Kognitive Prozesse als Konstruktion
Strategie als Interpretation, die auf dem Denken als Konstruktionsprozess beruht.
Die Welt „dort draußen“ treibt nicht einfach das Verhalten „hier drinnen“ voran, und zwar nicht einmal, wenn man die Filter der Verzerrung, der Voreingenommenheit und der Vereinfachung in Betracht ziehen. Das Denken ist mehr als nur eine Bestrebung, die Realität widerzuspiegeln. Der Geist stülpt der Umwelt eine Interpretation über – er konstruiert seine eigene Welt. In gewissem Sinn hat der Geist seinen eigenen Kopf; er gehorcht seiner eigenen kognitiven Dynamik. Die Menschen interagieren und schaffen sich so ihre mentalen Welten. Zu unterscheiden ist eine „objektive“, eine „wahrgenommene“ Umwelt und eine Umwelt als „Handlungsgrundlage“.
Kritik an der kognitiven Schule
Diese Schule zeichnet sich eher durch ihr Potential als durch ihren tatsächlichen Beitrag aus. Die kognitive Psychologie sollte sich zum Beispiel adäquat mit der Frage beschäftigen, wie sich im Kopf eines Strategen Konzepte bilden. Nützlich wäre es nicht nur zu wissen, wie der Geist Informationen verzerrt, sondern wie er unterschiedlichste Informationen unter einen Hut bringen kann





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