Optische Täuschungen
Wie unter “Wahrnehmung” besprochen, ist Wahrnehmung subjektiv, beeinflusst von “Top-Down-Prozessen” des Gehirns. Die durch Vorwissen geleitete Schlussfolgerungen über die Realität können in ungewöhnlichen Umständen, wenn beispielsweise verschiedene Interpretationen des gleichen Reizes möglich sind, fehleranfällig sein. So entstehen Wahrnehmungstäuschungen, von denen die “optischen Täuschungen” am bekanntesten sind.
Beispiele:

Ein bekanntes Beispiel für die Top-Down-Regulation ist das folgende Abbild: Je nachdem wie wir die Zeichen lesen, deuten wir das mittlere Zeichen entweder als B oder als 13, da wir (beeinflusst durch unser Vorwissen) entweder nach einer passenden Zahl oder einem passenden Buchstaben suchen.
Das Kanizsa Dreieck: gemäß dem Motto der Gestaltpsychologie “das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile” sehen wir nicht nur drei Ecken und drei unvollständigen Kreise, sondern auch ein Dreieck, das eigentlich gar nicht vorhanden ist. Das Gehirn fügt automatisch die fehlenden Linien, die sogenannten Scheinkonturen hinzu. Dieses Phänomen ist in dem Gestaltgesetz der “gestaltgerechten Linienfortsetzung” beschrieben.

Wäre unsere Wahrnehmung eine direkte Reflexion der pysikalischen Realität, sollten unmögliche Objekte wie dieses Gebilde einfach nicht wahrnehmbar sein. Stattdessen versucht das Wahrnehmungssystem, sie als “normale”, reale Objekte zu interpretieren.

Die Müller-Lyer-Täuschung: Durch die unterschiedliche Anordnung der Winkel an den Enden der Linien wird ein nicht realer Längenunterschied suggeriert. Eine moderne Theorie zur Erklärung dieses Phänomens besagt, dass das Gehirn die Winkel als Außen- bzw. Innenkannten einer Hausecke interpretiert und somit die Entfernung zum Objekt und die damit zusammenhängende empfundene Größe unterschiedlich einschätzt.

Also auch die Perspektive und die wahrgenommene Entfernung spielen eine große Rolle für die Interpretation der Größe von Objekten. Die rot makierten Linien sind gleich lang, obgleich die hintere um ein vielfaches größer erscheint.
Wahrnehmungstäuschungen im Alltag
Wahrnehmungstäuschungen spielen auch im Alltag eine große Rolle. Beispielsweise sehen wir die Sonne “aufgehen” und “untergehen”, obwohl wir wissen das die Sonne unverändert im Zentrum des Sonnensystems verharrt. Auch nehmen wir den Mond sehr viel größer wahr, wenn er flach über dem Horizont steht, als wenn er in größerer Höhe im Firmament steht – die sogenannte “Mondtäuschung“.
Wahrnehmungstäuschungen können aber auch geziehlt eingesetzt werden, um gewünschte Effekte zu erziehlen. Architekten und Innendesigner nutzen optische Täuschungseffekte, um Objekte im Raum zu schaffen, die größer oder kleiner wirken, als sie in Wirklichkeit sind. In Film- und Theaterproduktionen werden gewünschte Effekte häufig durch geschickte Kulissen und Beleuchtung geschaffen.
Auch die Werbung nutzt immer häufiger bewusste Täuschungen, um interessante Effekte zu erzeugen und Illusionen zu Wecken:




